07/2012

TAUCHER im ZENDOME

TAUCHER Sound Environments hat sich auf das Sound-Design von dreidimensionalen Klangerlebnisräumen spezialisiert. Die beiden Tonmeister Johannes Scherzer und Johannes Varga experimentieren bereits lange mit den Möglichkeiten, den Rezipienten durch eine räumliche Klanggestaltung noch stärker in die Handlung eines Films oder Hörspiels hineinzuziehen. Mit der Künstlerin Aleesa Savtchenko entstand schließlich die gemeinsame Vision: dreidimensionale Klangräume für Inszenierungen im Raum erlebbar zu machen - in Ausstellungen, Showrooms oder auf Events.

Wir trafen Aleesa Savtchenko, Creative Director von TAUCHER Sound Environments, und sprachen über das Potenzial von immersiven Klangwelten und warum 3D-Audio die Zukunft für Fulldome-Erlebnisse ist.

Aleesa, Du sorgst dafür, dass der Sound ideal das Gesamtwerk einer multisensorischen Inszenierung unterstützt. Was interessiert Euch an der klanglichen Arbeit im Full-Dome?
Der Dome hat eine Architektur, die umhüllt - man befindet sich in einer räumlichen Situation ohne Ecken und scharfe Grenzen. Genau diese ausgefallene Raumgeometrie ist das Faszinierende für die Klanggestaltung. Man verliert den Bezug zu einer Fläche, Wand oder Bühne. Es gibt kein Vorne und Hinten, Links oder Rechts. Das heißt, es gibt beim Gestalten keine begrenzenden Vorgaben durch das Rechteck der gewöhnlichen Medienrezeption. Das ist natürlich auch für das Publikum ein neues Erlebnis. Man muss lernen, ohne festen Bezugspunkt zu denken, aber trotzdem so, dass die Räumlichkeit plausibel wirkt und nicht in tollen Effekten ersäuft. In einem klanglichen Fullspace kann man in der Spanne zwischen dem passiven und dem aktiven Pol pendeln, sehr feine unaufdringliche Atmosphären bauen, die unbewusst ihre Wirkung entfalten oder auch eine Tsunami-Welle über die Haube tosen lassen. So entsteht das immersive Gefühl, tief in die inszenierte Welt einzutauchen.

Bisher wird bei Fulldome-Inszenierungen meist nur klassisches Stereo oder Surround-Sound eingesetzt. Wie kann man sich 3D Audio zu einer Kuppel-Projektion vorstellen?
Bei der Arbeit zum Bild spielt es natürlich eine Rolle, ob es sich um eine rechteckige Projektion handelt, ein 360°-Panorama oder ob die ganze Kuppel bespielt wird. Dennoch kann man sagen, dass 3D-Audio für alle diese Anwendungsfälle mehr Möglichkeiten bietet, das Bild lebendig zu machen. Es kann mit Klang tatsächlich all das haptisch erlebbar werden, was im Bild erzählt wird: Über den Köpfen fliegende Möwen oder Hubschrauber, eine Brise Wind, das Reiten inmitten tausender Ritter, die rare elektrische Atmosphäre im Raumschiff - die erzählte Welt wirkt unheimlich echt und viel emotionaler, als dies bei konventionellen Tonformaten möglich ist. Wir haben dabei immer das Bild des Holodecks aus Raumschiff Enterprise vor Augen...

Was ist im Kern das Neue an der Audio-Technologie, die Ihr benutzt, gegenüber konventionellen Tonformaten wie 5.1 oder 7.1 Surround?
Wir nutzen ein 3D Sound-System, das auf der Wellenfeldsynthese basiert und weitaus mehr Spielraum erlaubt als die konventionellen Mehrkanal-Systeme. Man designt grundsätzlich nicht für eine bestimmte Anzahl von Lautsprechern (wie z.B. bei 5.1 oder 7.1 der Fall), sondern für den dreidimensionalen Raum. Man schickt ein Klangobjekt nicht mehr auf einen Lautsprecher, sondern auf die gewünschte Raumposition, unabhängig von Lautsprecherpositionen und der Raumgeometrie. Im Dome sind die Lautsprecher auf der ganzen Kuppel verteilt, so dass man ein sehr hoch aufgelöstes und präzises Klangbild entwerfen kann. Deine Stimme höre ich ja auch aus der Richtung, wo ich Dich sehe und nicht von irgendwo anders, wie es leider oft bei üblicher Wiedergabe audio-visueller Inhalte zu erleben ist.
Bei der Arbeit im Studio bewegen wir die Sounds also in einem projizierten virtuellen Raum, etwa wie man in einem Grafikprogramm eine 3D-Animation erstellen würde. Sowohl bei uns im Studio als auch am Veranstaltungsort skaliert das Sound-System die Mischung und rendert vor Ort in Echtzeit auf die jeweilige Umgebung mit ihrer spezifischen Lautsprecher-Anordnung. Eine Tonmischung, die wir bei uns im Studio erstellen, ist deshalb ohne weitere Anpassungen in unterschiedlich große Domes übertragbar, genauso wie in andere Raumgeometrien.

Warum steckt im Namen das Wort Taucher?
TAUCHER ist ein schönes Bild für das umhüllende Erlebnis in Klangwelten. Wer das selbst erlebt hat, versteht sofort was gemeint ist ... was mich aber auch auf die Frage bringt: Warum ZENDOME?

Toucher!

[Das Gespräch führte Robin Georg]

Zeiss Planetarium in Jena
© Jan Pasemann - Zeiss Planetarium in Jena

 

Für die Radiale Nacht hat TAUCHER speziell für das temporär installierte IOSONO 3D Sound System zwei Stücke neu gemischt. Die Komposition Delusions II von Christian Steinhäuser/phase7 sowie Metal Soundscapes des Perkussionisten Markus Hauke werden zu hören sein. 
Außerdem stellt TAUCHER eine eigene Komposition vor: Nachtschicht ist ein begehbares dreidimensionales Klangstück, in dem sich der Besucher in einer nächtlichen Fabrikzone wiederfindet, deren geheimnisvolle Vorgänge sich im Raum nach und nach manifestieren. 

SAMSTAG, 14. Juli, 19:00
 
RADIALSYSTEM V, Holzmarktstr. 33, 10243 Berlin 
RADIALSYSTEM V - SPACE FOR ARTS AND IDEAS
Karten 18 € | ermäßigt 11 € 

Mehr Informationen:
TAUCHER Sound Environments

WARUM ZENDOME:
Eine Idee braucht einen Namen...

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